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2. Zombie-Medien und ihr Einfluss auf Journalisten, Leser und Werber

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Wenn Sie mal einen Untoten treffen, versuchen Sie gar nicht erst mit ihm zu kommunizieren. Nehmen Sie Ihre Beine in die Hand oder schießen Sie ihm besser gleich mit einer Wumme die Rübe vom gammligen Kadaver. Rick Grimes, Hauptfigur der preisgekrönten AMC-Fernsehserie „The Walking Dead“, hat diese Lektion schmerzhaft lernen müssen. Doch man muss nicht erst sterben, um sich wie ein Golem aufzuführen 1. Im expressionistischen Meilenstein „Das Kabinett des Dr. Caligari“ 2 ist es Schlafwandler Cesare, der nachts ferngesteuert und mordend durch die Gassen zieht. Hier wird ein „Somnabuler zu Handlungen gezwungen, die er im wachen Zustand niemals begehen, ja sogar verabscheuen würde…“ 3. Wie ein Zombie dämmert er in einer Halbwelt zwischen „Da-Sein“ und „nicht Da-Sein“ 4. Womit die Lage vieler Medien hierzulande gleich zweifach treffend beschrieben wäre. Einst als vierte Gewalt unangefochten, fragen sich heute angesichts ihres Zustands selbst Experten: „Wozu noch Journalismus?“ 5 Diese Frage treibt alle Beteiligten um. Journalisten, die gute Arbeit abliefern wollen. Leser und Zuschauer, die Orientierung suchen. Und Werber wie PR-Experten, die ein glaubwürdiges Umfeld und eine hohe Verbreitung für ihre Botschaften brauchen. Leider sind die journalistischen Zombie-Medien von heute für all diese Hoffnungen zunehmend die falschen Adressaten. Weiterlesen

  1. Sesslen, Georg und Weil, Claudius: Kino des Phantastischen. Geschichte und Mythologie des Horror-Films. Hamburg 1980, S. 24  (back)
  2. Mittlerweile als Public Domain verfügbar: http://www.youtube.com/watch?v=xrg73BUxJLI  (back)
  3. http://buchperlen.wordpress.com/2013/12/10/das-cabinet-des-dr-caligari-digitale-restaurierung/  (back)
  4. Metz, Markus und Sesslen, Georg: Wir Untote!, Berlin 2012, S. 7  (back)
  5. Weichert, Stephan; Kramp, Leif und Jakobs, Hans-Jürgen: Wozu noch Journalismus? Wie das Internet einen Beruf verändert. Göttingen 2010  (back)